Mein Mann wird fünfzig
Mein Mann wird fünfzig und ein bisschen sehe ich ihm schon an, dass dieses Ereignis einen kleinen Schatten auf meinen „jugendlichen Helden“ wirft. Eigentlich ist er nicht eitel, aber jetzt fragt er mich doch gelegentlich, ob das Sakko auch sitzt. Und immer öfter reden wir von früher- von der Studienzeit, von alten Freunden, von den Reisen, die wir machten, bevor die Kinder kamen. Darüber spricht er jetzt gern, von einer Geburtstagsfeier will er nichts hören.
„Wir machen es wie immer, mach’ bloß kein Aufhebens!“ Wie immer- das heißt bei uns: die Verwandtschaft- ganz traditionell mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag und kalten Platten am Abend. Mit einer Servicekraft, die im wirklichen Leben Ehefrau, Mutter und medizinisch- technische Assistentin ist. Das heißt, Wohnung auf Hochglanz polieren, ungebügelte Wäsche verschwinden lassen – schließlich kommt die Schwiegermama- Kuchen backen, Platten vorbereiten, alles strahlend und so nebenbei. Das bisschen Haushalt, meine Schwägerin schafft das mit links.
Nach so vielen gemeinsamen Jahren hat er es verdient, dass ich ihm eine Freude mache und ich habe es verdient, dass ich dabei auch ein bisschen an mich denke! Ich plane also ihn zu überraschen- mit einem Fest, das einmal anders läuft- nicht „wie immer“.
Es soll ein Fest der „schönen Erinnerungen“ werden- ein Tag für uns beide. Familie? Ja, aber nicht als Mittelpunkt, kein Abend an dem Oma Kochtipps gibt, meine Schwägerin mir erzählt, wo Waschpulver am günstigsten ist und Onkel Frieder von seinem Hexenschuss berichtet.
Es fällt mir leicht alte Freunde und Studienkollegen ausfindig zu machen und anzurufen. Die meisten sind begeistert, nur wenige haben keine Zeit. So bin ich, mit Familie, ziemlich schnell auf einer Gästeliste von fast fünfzig Leuten. Hoppla- die wollen auch verköstigt werden! Der Platz ist kein Problem, wir haben einen großen Garten- doch beim „Fest der schönen Erinnerungen“ reichen meine Häppchen nicht. Ich weihe meine große Tochter ein. Dieses Kind kommt ganz nach mir- einfallsreich und kreativ.
„ Mach doch ein griechisches Fest. Ihr erzählt immer von eurem tollen, ersten Urlaub in Griechenland.“ Das ist es! Fröhliche Menschen, eine laue Sommernacht, griechischer Wein und das leckere Essen. Ich komme ins Träumen, ein griechisches Fest- und das mitten in Westfalen. „Wo aber bekomme ich griechisches Essen her?“ frage ich meine kluge Tochter. „Mama;“ sie ist entsetzt. „Du solltest nicht so viel in der Erinnerung leben! Bei Lieferando findest Du einen griechischen Lieferservice und mit dem besprichst Du dann alles!“ Ich bin total glücklich. Das wird ein tolles Fest. Ich sehe mich schon mit meinem Mann unter Lampions tanzen. Mein „jugendlicher Held“ wird sich wie zwanzig fühlen und ich dank des Lieferservice ebenfalls!